Ist E-Mail-Marketing vom Aussterben bedroht?

von | Okt 14, 2020 | Marketingerfolg

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E-Mail-Marketing wird noch immer als ein Kernelement des Marketing-Portfolios bezeichnet. Denn eines steht fest: Das Medium E-Mail ist nachweislich eine der kostengünstigsten Optionen, um essenzielle Markenbotschaften zu kommunizieren, Kampagnen zu lancieren und bestehende sowie potenzielle Kunden gezielt anzusprechen. So halten drei Viertel der Unternehmen den ROI, der auf ihre versendeten E-Mails zurückzuführen ist, für ausgezeichnet oder gut. Laut McKinsey ist E-Mail-Marketing einer der leistungsstärksten Kanäle. Demnach generieren Mailings und Newsletter für jeden ausgegebenen britischen Pfund insgesamt 34 britische Pfund an Umsatz.

Dennoch sind die Effektivität und Relevanz von E-Mail-Marketing-Kampagnen in der heutigen Zeit fragwürdig. Zu viele Unternehmen, Marken, Institutionen und Organisationen verschicken regelmäßig ihre E-Mails und treffen bei den zunehmend genervten Rezipienten auf Abneigung. Die Masse der Mails führt auf Seiten der Verbraucher zur Frustration und lässt sie andere Kanäle entdecken. Dieser Dynamik müssen sich die Unternehmen anpassen.

Neue Entwicklungen fordern ein Umdenken:

  • Im Rahmen der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung haben sich für E-Mail-Marketing neue Gesetze ergeben, die zur Folge haben, dass einige Praktiken mittlerweile nicht nur illegal sind, sondern – was vielleicht noch bedeutender ist – nicht länger von den Usern akzeptiert werden. Denn diese sind sich zunehmend des Datenschutzes und des Themas Sicherheit bewusst. Zu sehr sind E-Mails aufgrund der Probleme wie dem Weiterverkauf von Verteilerlisten an Dritte und dem Massenversand ohne die Zustimmung des Adressaten in den Verruf geraten.
  • Aktuelle Skandale wie die Verwendung von Nutzerdaten durch Cambridge Analytica während der US-Präsidentschaftskampagne und das von Edward Snowden ins Leben gerufene Global Surveillance Porgram sind stark in die Kritik geraten und haben ernsthafte Bedenken seitens der Bürger hervorgerufen, was mit ihren persönlichen Daten eigentlich wirklich passiert.
  • Betrachtet man die durchschnittlichen Öffnungs- und Klickraten bei E-Mail-Kampagnen, so liegt erstere bei etwa 25 Prozent und die Klickrate bei etwa 4 Prozent. Dies bedeutet, dass 75 Prozent der Adressaten die E-Mail nicht öffnen und 96 Prozent von ihnen den in der E-Mail enthaltenen Link nicht anklicken.
  • Niemand mag es, Werbeangebote oder aufdringliche E-Mails in seinem Posteingang zu erhalten. Und unerwünschte oder nervige E-Mails können dem Ruf einer Marke schaden.

Welche Alternativen zum klassischen E-Mail-Marketing gibt es?

Sollten Sie dennoch weiterhin E-Mail-Marketing-Kampagnen umsetzen? Wenn Ihnen das Medium E-Mail immer noch einen hohen ROI erwirtschaftet, so sollten Sie es auf jeden Fall als Bestandteil Ihres Marketingportfolios beibehalten. In Zukunft macht es jedoch zusätzlich auch Sinn, sich mehr auf folgende Bereiche zu konzentrieren:

1. Mehr Marketingautomatisierung

In Zukunft wird der Fokus verstärkt auf personalisierten, effizient auf die Bedürfnisse von Unternehmen und Kunden ausgerichteten Marketingautomatisierungsprogrammen mit klar definierten Prozessen und vorab bestimmten Bedingungen, wer wann was erhält, liegen. Wenn Sie sich darauf konzentrieren, bestehenden sowie potenziellen Kunden nützliche Informationen zu liefern, die sie wirklich interessieren und die ihnen einen Mehrwert bieten, etablieren Sie die besten Voraussetzungen für ein optimiertes Customer Relation Management. Sie steigern Ihre Wettbewerbsfähigkeit und letztendlich Ihren Umsatz.Marketingautomatisierung und E-Mail-Marketing im Vergleich

2. Mehr SMS-Marketing

Immer mehr Unternehmen nutzen SMS-Marketing. Dies ist oft ein gutes Kommunikationsmittel für präzise und wichtige Informationen. Es ist vielleicht nicht für alle Unternehmen bzw. Branchen das ideale Medium, aber in unterschiedlichen Bereichen macht es Sinn und wird bereits vielfach eingesetzt. Im Gegensatz zu E-Mails scheint es die Empfänger nicht sonderlich zu stören, vermehrt SMS-Nachrichten zu erhalten. Zudem ist es sehr einfach, sich von diesen SMS-Listen abzumelden. So nutzen beispielsweise viele Zahn- und Allgemeinärzte die Möglichkeit, ihre Patienten über SMS an ihren bevorstehenden Termin zu erinnern. Der Pizzaladen um die Ecke verschickt gelegentlich Angebote vom Lieblingsessen zum Mitnehmen und der Friseur macht auf Sonderaktionen aufmerksam.

Der Vorteil von SMS-Marketing besteht darin, dass diese Art von Nachricht – die im Vergleich zu E-Mail als vertrauenswürdiger gilt – viel eher von Kunden gelesen wird als beispielsweise E-Mails: 90 Prozent der versandten Nachrichten werden innerhalb von 3 Minuten gelesen, und 98 Prozent der Nachrichten werden bis zum Ende des Tages gelesen. Laut einer in UK durchgeführten Umfrage nutzen derzeit nur 50 Prozent der Unternehmen SMS als Marketing-Tool, wobei der Trend steigend ist und dieser Kanal gemäß Prognose noch in diesem Jahr von 92 Prozent der britischen Unternehmen genutzt werden soll.

Wenn Sie SMS-Marketing betreiben, stellen Sie bitte unbedingt sicher, dass Sie Ihre Kontakte nicht mit zu vielen Nachrichten vergraulen, ihnen wirklich nur nützliche Informationen zur Verfügung stellen und ihnen immer die Möglichkeit geben, sich abzumelden. Wenn Sie sich nicht an diese einfachen Regeln halten, riskieren Sie, Ihrer Marke Schaden zuzufügen, anstatt ihr zu mehr Anhängern zu verhelfen.Wichtige Zahlen im SMS-Marketing

3. Mehr Inbound Marketing

Verbraucher haben genug von penetrantem Marketing und nerviger Werbung. Mehr und mehr Menschen installieren Werbeblocker auf ihren Browsern und Geräten. Gemäß heise.de haben 11 Prozent der weltweiten Internetbevölkerung mittlerweile Einstellungen vorgenommen oder besitzen Geräte, die Anzeigen im Internet blockieren. Als Grund werden beispielsweise Werbevideos genannt, die automatisch abgespielt werden, ohne dass man sie angeklickt hat.
Im Westen ist der Trend der Adblocker aber noch nicht ganz so weit verbreitet. Im Vergleich zu beispielsweise Indonesien, wo 58 Prozent der Mobilgeräte Werbeeinblendungen blockieren, sind die Zahlen in Deutschland eher moderat. Hierzulande nutzen 29 Prozent der Desktop-Nutzer bestimmte Adblocker, während eine solche Software nur auf 1 Prozent der mobilen Endgeräte installiert ist.

Diese Statistiken und abzusehenden Trends zeigen: Anstatt Nachrichten und Botschaften an Kunden und Interessenten in Form der traditionellen Werbung und per E-Mail-Marketing zu kommunizieren, sollte der Fokus ganz klar auf mehr Inbound Marketing liegen. Ziel ist es hierbei, im Rahmen von hochwertigen, informativen Beiträgen einen Mehrwert für Bestandskunden und potenzielle Kunden zu generieren. Denn heutzutage erkunden sich die Menschen vorab im Internet und treffen auf Basis der recherchierten Daten eine Kaufentscheidung. Wenn Sie einem Interessenten also schon im Vorfeld wichtige Informationen zur Verfügung stellen können, die für ihn nützlich sind, vergrößern Sie Ihre Chance, dass aus diesem Lead ein Kunde wird.Verbreitung von Ad-Blockern nach Ländern

Content is King

Lead Nurturing ist in diesem Kontext ein wichtiger Begriff. Dabei geht es darum, die Zahl und Qualität Ihrer Interaktionen mit Interessenten, potenziellen sowie bestehenden Kunden auf ein Optimum zu erhöhen. Sie wollen Traffic generieren und zu einem Begriff in der Online-Community werden. Maßgeschneiderte Inhalte, die Sie auf Blogs, in den sozialen Medien, per SMS, auf Ihrer Unternehmenswebsite oder via einem firmeneigenen YouTube-Channel publizieren und die auf die Bedürfnisse sowie das Suchverhalten der gewünschten Zielgruppe zugeschnitten sind, müssen kontinuierlich gepostet werden.

Genauso tragen auch hochwertige Angebote wie eBooks, Webinars oder Whitepapers dazu bei, dass Sie sich im Internet als Experte präsentieren, der Interessenten auf Wunsch fachliche als auch sachliche Informationen zur Verfügung stellt. Geschieht dies auf authentische, weniger verkäuferische Art und Weise, so schaffen Sie eine Vertrauensbasis, die Sie im weiteren Verlauf einer potenziellen Customer Journey effektiv ausbauen können.

Haben Sie sich auf qualitative Weise mit Ihrem Inbound Marketing einen Namen gemacht und sich als Wissensdatenbank bzw. Experte etabliert, so können Sie Ihr strategisch auf das Content Marketing ausgerichtete und mit Ihrer Marketingautomatisierung im Einklang stehende E-Mail-Marketing geschickt nutzen, um Ihre wichtigsten Inhalte einzubinden. Pragmatische Tipps anderer User und aktuelle Umfrageergebnisse sind hier erfolgversprechende Beispiele.

Fazit: mit den Veränderungen der Zeit gehen

Die Zeiten des erfolgreichen E-Mail-Marketings sind noch lange nicht vorbei! Vor allem kleinen und mittelständischen Unternehmen muss allerdings eines im Klaren sein: E-Mail ist ein dynamisches Tool, das sich stets in einem Prozess der Veränderung und Anpassung befindet. So haben sich die Praktiken verändert und Unternehmen müssen sich an diese Veränderungen anpassen, indem sie sich auf neue Strategien konzentrieren.

Unabhängig davon, ob es sich um Marketingautomatisierung, SMS-Marketing, Inbound Marketing oder andere Ansätze handelt, ist es heutzutage ausschlaggebend, Ihre bestehenden sowie potenziellen Kunden als aktive „Nutzer“ anstatt als schlichte Rezipienten Ihrer Marketingbotschaften zu betrachten, die bereit sind, Ihre Mails zu erhalten und auf bestimmte Angebote zu klicken.

Konzentrieren Sie sich daher vielmehr darauf, wirklich nützliche Inhalte und Kommunikationsanregungen zu erstellen, die Ihren Kunden und Interessenten einen wahren Mehrwert bieten. Wenn Sie professionelle Automatisierungstools sowie CRM-Programme mit Ihrem E-Mail-, SMS- und Inbound Marketing geschickt verknüpfen, können Sie eine Followerschaft aufbauen, die Ihnen treu ergeben ist, ohne dass Sie plumpe Marketingparolen und Werbebotschaften verbreiten müssen.

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